Jasmin Schreiber - Marianengraben - 1 MP3-CD - Laufzeit: 395 Min. ungekürzte Lesung

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Paula braucht nicht viel zum Leben: ihre Wohnung, ein bisschen Geld für Essen und ihren kleinen Bruder Tim, den sie mehr liebt als alles auf der Welt.

Doch dann geschieht ein schrecklicher Unfall, der sie in eine tiefe Depression stürzt.

Erst die Begegnung mit Helmut, einem schrulligen alten Herrn, erweckt wieder Lebenswillen in ihr.

Und schließlich begibt Paula sich zusammen mit Helmut auf eine abenteuerliche Reise,

die sie beide zu sich selbst zurückbringt - auf die eine oder andere Weise.

 

 

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Interview mit Jasmin Schreiber zu ihrem Roman „Marianengraben“

In Deinem Roman geht es um Paula, die durch den Tod ihres kleinen Bruders in eine tiefe Krise gerät. Trotz des traurigen Themas ist Dir ein wunderbar leichter und komischer Roman mit großartigen Dialogen gelungen. Wie bist Du ans Schreiben des Romans herangegangen?

An meinem Schreibprozess sind sehr viele Dinge sehr seltsam. Zum Beispiel habe ich die erste Version auf einer „Gabriele 100 DS“-Schreibmaschine geschrieben, um die innere Lektorin zu bändigen und voranzukommen, statt mich ewig in Details zu verheddern. Das war sozusagen Notwehr gegen mein ADHS, da es die Ablenkungen minimiert. Diese Version habe ich dann meinem Notebook vorgelesen und ein Sprachprogramm hat es in Text transkribiert, sodass ich es am Rechner in vielen Versionen überarbeiten konnte – eine Woche vor Abgabe habe ich noch einmal fast 150 Seiten gelöscht und neu geschrieben, es war absurd. Die Dialoge jedoch habe ich von Anfang an direkt eingesprochen, weil ich so große Angst davor hatte, dass sie irgendwie steif klingen könnten.

Wie kamst Du auf die Idee, Deinen Roman „Marianengraben“ zu nennen?

Ich habe vor Jahren mal einen häufig geteilten Blogtext darüber geschrieben, wie es ist, aus dem Marianengraben aufzutauchen, aus fast 12 km Tiefe. Dieses Bild fasziniert mich seit jeher, wie die Tiefsee an sich. Ich lebe selbst mit Depression und wenn sie wieder eine akute Phase hat, habe ich immer den Marianengraben vor Augen. In diesen Phasen lese ich wieder viel über das Thema und erinnere mich daran, dass ich da unten nicht allein bin. Dass dort viele Lebewesen herumschwirren, nicht alle freundlich gesinnt, aber eben auch nicht alle feindlich. Und dass ich schwimmen muss.

Auch Paulas kleiner Bruder Tim liebt die Tiefsee und führt eine Liste seiner Lieblingsmeerestiere. Welche Tiere da unten sind für Dich die spannendsten?

Definitiv die Oktopoden, also Kraken. Diese Tiere faszinieren mich seit Jahrzehnten. Sie sind unglaublich intelligent und vielfältig, jeder Arm hat zum Beispiel eine Art eigenes „Gehirn“, das ihn steuert. Die Tentakeln können Licht und Geschmack wahrnehmen und sich derart geschickt bewegen, dass Ingenieure sich seit Jahren die Zähne daran ausbeißen, diese Bewegungen mit Robotern nachzuahmen. Sie wissen, dass wir eine andere Spezies sind als sie, können einzelne Menschen voneinander unterscheiden und diese auch mögen oder verabscheuen. Sie haben individuelle Persönlichkeiten, sind sehr gut in Problemlösungsstrategien und ausgesprochen elegante Jäger. Manche Arten leuchten im Dunkeln, sie können die Farbe und Struktur ihrer Umgebung in Sekunden so effektiv nachahmen, dass sie wirklich wie vom Meeresboden verschluckt sind. Ich könnte hier jetzt noch ewig so weitermachen.

Gab es eine konkrete Inspiration für Paulas schrulligen Reisegefährten Helmut und ihren irrwitzigen Abenteuertrip?

Helmut entstand, als ich in Berlin über Umwege einen netten alten Mann kennengelernt habe. Wir waren ein paar Mal Kaffee trinken, weil er nicht mehr so viel raus kam. Einmal sagte er: „Wenn Sie ein Buch schreiben, schreiben Sie mich rein!“ Dieser Mann ist mittlerweile verstorben und Helmut und er haben nichts gemeinsam bis auf ein ganz kleines Detail, das ich nicht verraten werde. In meinem Kopf jedoch sieht Helmut aus wie dieser alte Mann. Und die Strecke durch die Alpen bin ich selbst im letzten Jahr gefahren. Ich muss gestehen: Ich selbst mag eigentlich gar keine Roadtrip-Literatur. Vielleicht ist das ein guter Ausgangspunkt, um über einen Roadtrip zu schreiben.

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